Negativzinsen: Vier von zehn Deutschen haben Angst vor Strafzinsen

März 27th, 2017 by rubenw in Aktien, Geldanlage, Tagesgeld

negativzinsen_ezbVier von Zehn Deutschen fürchten sich davor, in Zukunft auf ihr Bankguthaben Zinsen zu zahlen, anstatt welche zu erhalten. Doch die Frage ist: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Banken kleine Sparer künftig zur Kasse bitten werden? Eine Einschätzung deutscher Verbraucher, sind es mehr als ihnen lieb ist, laut einer Emnid-Studie.

Unsichere Märkte und niedrige Zinsen. Weit mehr als die Hälfte der Deutschen beäugen die Finanzmärkte mit Sorge, sie sehen sich sogar selbst von negativen Folgen betroffen. Einer aktuellen Emnid Studie nach, die von Deutsche Börse Commodities beauftragt wurde, befürchten vier von zehn deutschen Bürgern, als einer der negativen Folgen, dass ihre Bank in Zukunft Strafzinsen von ihnen verlangen wird. Diese Furcht ist nicht ganz unbegründet.

In Stendal, Gmund und Altenburg zahlen Privatkunden schon Strafzinsen

Die thüringische Skatbank (eine online Tochter der VR-Bank Altenburger Land) war die erste Deutsche Bank, die 2014 Negativzinsen im Privatkundengeschäft eingeführt hat. Mit der Volksbank Stendal und der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee, zogen zwei weitere Geldinstitute nach. Bis zu dem jetzigen Zeitpunkt beschränkten sich alle drei Genossenschaftsbanken bei den Strafzinsen ausschließlich auf vermögende Sparer. Bei der Skatbank fallen erst ab Einlagen von 500.000 Euro Zinsen an, in Stendal und Gmund werden Anleger ab einer Guthaben Höhe von 100.000 Euro zur Kasse gebeten.

Die kleinen Sparer bleiben also bislang befreit von den Strafzinsen. Ob das in Zukunft langfristig so sein wird, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen. Vorstand der Stendaler Genossenschaftsbank Ingo Freidel äußerte sich dahingehend, dass weniger vermögende Kunden eventuell auch Strafzinsen zahlen müssen. Zumindest schließt er das nicht kategorisch aus. Er sagte weiter, es dürfte vielmehr die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten über die Einlagen der kleinen Sparer entscheiden.

Auch der erste Online Broker flatex führte Strafzinsen ein

Mittlerweile gibt es nicht nur die drei o.g. Banken, die Negativzinsen für Girokonten eingeführt haben. Anfang März 2017 kündigte der Online Broker flatex an, ebenfalls einen Strafzins einzuführen. Der Unterschied: Jeder ist betroffen, das heißt, bereits ab dem ersten Euro. Aktuell muss daher jeder flatex Kunde 0,4 Prozent p.a. Gebühren auf das Guthaben zahlen, welches er auf dem Verrechnungskonto liegen lässt.
Allerdings ist flatex, wie bereits erwähnt, ein Aktiendepot Anbieter. Das bedeutet, dass Kunden dort nicht Geld überweisen, um es auf dem Verrechnungskonto zu verwahren, sondern um es anzulegen, zum Beispiel in Aktien, Fonds, ETFs, Anleihen usw. Auch ist nur das Geld auf dem Verrechnungskonto vom Strafzins betroffen. Gelder, die in irgendeiner Form angelegt werden, sind in keinster Weise davon betroffen.

Warum gibt es denn Strafzinsen auf private Bankeinlagen?

Mit der Einführung von Negativzinsen auf die Guthaben privater Bankkunden reagieren die Institute auf die derzeitige Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Die EZB hat den Einlagesatz, das heißt die Zinsen die Banken erhalten, wenn Sie überschüssiges Kapital über Nacht bei der Notenbank parken, aufgrund der Finanzkrise Schritt für Schritt auf aktuell minus 0,4% pro Jahr gesenkt. Banken zahlen also selbst diese Minuszinsen, wenn sie ihr Kapital bei der Europäischen Zentralbank anlegen, und geben diese teilweise an ihre Kunden weiter.
Andere versuchen diese Kosten über Umwege zu kompensieren. So erhöhen sie häufig die Gebühren für Girokonten oder bisher kostenfreie Service- und Dienstleistungen. Wo es noch ein kostenfreies Girokonto ohne Strafzins gibt, erfahren Sie hier: Girokonto Vergleich.

Noch nie wie zuvor waren die Deutschen so vermögend

Das Geldvermögen der privaten Haushalte hat in der Bundesrepublik Deutschland einen neuen Höchstwert erreicht. Laut der Deutschen Bundesbank haben sich die Ersparnisse der deutschen Bundesbürger im zweiten Quartal 2016 um 44 Milliarden Euro auf 5,4 Billionen Euro erhöht. Dabei bevorzugten die Sparer weiterhin ständig sichere und täglich verfügbare Anlagen wie Tagesgeld, Bargeld oder Guthaben auf dem Girokonto. Somit erhöhten sich nur die Bargeldbestände, Sichteinlagen der privaten Haushalte zwischen März und Juni 2016 um 25 Milliarden Euro.

Es bleibt vorerst abzuwarten, ob und wie diese neueren Entwicklungen das Anlageverhalten der Deutschen beeinflusst oder ändern wird. Das Marktforschungsinstitut Kantar Emnid hat Anfang Oktober 2016 die Befragung durchgeführt. Wobei insgesamt 1004 Bürger hier im Lande, über 25 Jahre alt, telefonisch befragt wurden. Daraus erschließt sich das Ergebnis des Anlagebarometers der Deutschen Börse Commodities.

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