Es war einmal „Kostenlos“ – Direktbanken fahren neue Strategie

Oktober 11th, 2016 by rubenw in Allgemein, Girokonto

finance-1674564_1280Ein Slogan der Direktbanken war einst „kostenlos Geldabheben“. Doch das Blatt könnte sich wenden, denn die DKB Bank schränkt dieses Angebot ein. Daher ist zu erwarten, dass die Konkurrenz später nachzieht.

Woher weht der neue Wind? Auf der Webseite wirbt die DKB (Deutsche Kreditbank) mit „gebührenfreiem Girokonto“. Das ist weder falsch noch richtig, denn auf das Girokonto erhebt die Berliner Direktbank nach wie vor keine pauschale Gebühr.

Aber wie zu erwarten, verabschiedet auch sie sich ein Stück weit von der Kostenlos-Kultur der Direktbanken, wie kürzlich bekannt wurde.

DKB: Weltweit kostenlos nur mit 700 Euro Geldeingang

Ab dem kommenden Jahr ist jetzt ein Limit gesetzt, wenn nicht mindestens 700 Euro jeden Monat auf dem Girokonto eingeht, können die DKB-Kunden kein Geld mehr kostenlos außerhalb der EU abholen. Zugegeben, nicht jeden betrifft die Änderung, da nur der Bargeldbezug außerhalb der Euro-Zone betroffen ist. Dennoch stimmt der Werbeslogan „kostenlos Geld abheben und das weltweit“ ab 2017 nicht mehr.

Zinspolitik der EZB zwingt Banken zum Handeln

Viele Banken haben ihre Kontomodelle überarbeitet und umgestellt, zum Nachteil der Kunden. Letztendlich geht die DKB den gleichen Weg wie andere Banken. Viele Banken haben ihre Girokonto Gebühren angehoben. Zum Beispiel bei der Postbank kostet das klassische Girokonto demnächst 3,90 Euro im Monat, die Hypo-Vereinsbank verlangt je nach dem Girokontomodell zwischen 2,90 Euro bis 14,90 Euro.

Auch haben die meisten Sparkassen seit Mitte dieses Jahres ihre Gebühren erhöht, so gibt es 5 verschiedene Modelle. Das günstigste fängt mit 1,90 Euro an und das teuerste 12,90 Euro. Das einzig kostenfreie ist für jugendliche. Nach einem Bankenvergleich für kostenlose Konten gibt es ein Ergebnis: es gibt nur noch 25 Gratiskonten, das wurde in einem Vergleich von 241 Angeboten von 104 Banken herausgestellt, laut Zeitschrift Finanztest. Das Argument der Banken war, dass die Nullzinspolitik ihnen sehr zu schaffen macht.

Das Fazit: Es müssen Gebühren erhoben werden, um weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können. Die Lösung für das Problem, damit die Banken weiterhin wirtschaftlich arbeiten können sieht so aus: Kosten zum Beispiel für Daueraufträge, Überweisungen, Bezahlkarten oder monatliche Pauschalgebühren. Sehr zum Leidwesen der Kunden.

Wer tatsächlich ein gebührenfreies Konto haben möchte, muss suchen und vergleichen. Doch dieser Aufwand lohnt sich. Er wird fündig bei verschiedenen Banken zum Beispiel bei:

  • Comdirect
  • Consorsbank
  • ING-Diba
  • DKB Bank

Sie bieten kostenlose Girokonten an, aber teils mit Einschränkungen. Zwar müssen diese Banken auch Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Europäischen Zentralbank die Spareinlagen ihrer Kunden parken. Doch ein Vorteil ergibt sich bei den Direktbanken: sie ersparen sich ein teures Filialnetz, sowie die Mieten und Mitarbeiterkosten. Die Aussage des Beratungs- und Analyseunternehmen Barkow Consulting betont, dass die Direktbanken nicht unter solch einen großen Druck stehen wie die Filialbanken und somit wettbewerbsfähiger sind.

Auch Direktbanken müssen sich umstellen

Banken im Allgemeinen müssen auf die aktuellen Marktsituation und die anhaltende Niedrigzinsphase reagieren. Die Frage, die auftaucht ist: Wie verhalten sich die Direktbanken?
Neu ist, das auch eine Direktbank, und gerade der Branchenprimus DKB, sich so auf diese Situation einstellt. Zwar möchten sie keine Kontogebühr erheben, aber ihr Kernversprechen knüpfen Sie an eine Voraussetzung. Ab Ende 2017 können Kunden nur noch kostenlos Geld abheben und bezahlen, wenn sie als Aktivkunden gelten, das heißt, dass die monatlichen Geldeingänge gewährleistet sind. Alle Nicht-Aktivkunden zahlen außerhalb der EU-Zone 1,75 Prozent des Umsatzes an Gebühren. Teurer für Nicht-Aktivkunden ist auch der Dispozins, der nicht nur 6,9 Prozent beträgt, sondern 7,5 Prozent.

Direktbanken verdienen an Ihren Kunden kaum noch Geld, da meistens nur noch die Gratisleistungen der Bank genutzt werden

atm-1524871_1280Viele Kunden haben bei den Direktbanken nur ein Zweitkonto um im Ausland kostenlos Geld abzuheben oder eine kostenlose Kreditkarte zu nutzen. Solche Gratisleistungen sind zwar für die Kunden gut, aber für die Direktbanken bedeuten sie hohe Ausgaben. Mit einem Girokonto allein verdient eine Bank keinen Cent! Durch die neue Strategie erhofft die DKB Bank, dass die meisten Kunden das DKB Konto als Hausbankverbindung nutzen.

Die Aussage von Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband ist, dass die Hausbanken das Privileg haben, das Einkommensverhältnis der Kunden zu kennen und somit ihnen Kredite oder Anlageprodukte anbieten zu können. Die Direktbanken drängen darauf, zur Hausbank zu werden, weil sie mit genau diesen Produkten Geld verdienen. Anreize sind bereits gesetzt. Wer als Neukunde von den Wechselprämien der Banken wie Consorsbank und Comdirect profitieren möchte, erhält das Geld nur, wenn ein regelmäßiger Eingang von Geld, sprich Gehalt, auf dieses Konto eingeht. Solch eine Strategie kann Wirkung zeigen.

Berater Barkow sagt folgendes. „Ich gehe davon aus, dass Bankkunden vermehrt ihr Konto wechseln werden und das eine oder andere Zeitkonto verschwinden wird“. Den Direktbanken kommt es entgegen, wenn eine Filialbanke nach der anderen ihre Gebühren erhöht. Das motiviert die Verbraucher ihr Konto zu einem anderen Anbieter umzuziehen. Eine neue Regelung im Zahlungskontengesetz macht es ihnen zusätzlich so leicht wie nie.

ING DiBa „droht“ mit Kontogebühren

Wenn die Zinsen noch längere Zeit so niedrig bleiben, ist es unausweichlich, dass sich auch bald Direktbanken vom kostenlosen Girokonto verabschieden werden, sagte schon im Sommer Koos Timmermanns, Vorstand der ING-Diba-Mutter ING. Bei der Bank heißt es, das Konto bleibe „vorerst“ kostenlos. Bemerkenswert ist das Wort „vorerst“. Denn das sagt ein Unternehmen, das für viele Gratisleistungen bekannt ist. Bei den Wettbewerbern Consorsbank und Comdirect vernimmt man ähnliche Töne. Das klingt bei der Consorsbank so heraus, dass ewig ein kostenloses Konto anzubieten in Zeiten wie diese, nicht sinnvoll sei. Ein Blick in die Zukunft lässt erkennen, dass die Bank von weniger aktiven Kunden Geld für bestimmte Leistungen nehmen könnte.

Der Verbraucher muss genau abwägen, bei welcher Bank er ein Konto eröffnen möchte. Genauso müssen die Banken abwägen, mit welcher Strategie sie ihre Neukunden werben möchten. Die Direktbanken wissen, dass sie in Zukunft viele neue Kunden gewinnen können, wenn sie weiterhin kostenlose Girokonten anbieten. Auch wissen sie, dass es in Deutschland ca. 100 Millionen Girokonten gibt, dadurch könnten sie durch eine geringe monatliche Grundgebühr enorme zusätzliche Gewinne oder Einnahmen bewirken, selbst wenn die Zahl der Girokonten abnimmt, laut Aussage von Peter Barkow.

Fazit ist: Die Direktbanken stecken in einem Dilemma. Sie wollen auf der einen Seite die Girokonten kostenlose anbieten, auf der anderen Seite könne sie es sich nicht leisten, wenn die Zinsen nicht steigen. Das Kleingedruckte könnte sich in Zukunft ändern.
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