Investieren in Privatkredite – Sinnvolle Geldanlage?

Februar 3rd, 2016 by rubenw in Allgemein, Geldanlage, Kredit

Privatkredite GeldanlageGeldanlage ist eigentlich eine ziemlich einfache Sache. Der Anleger geht zur Bank, eröffnet entweder ein Sparbuch, ein Tagesgeldkonto oder Wertpapierdepot und vermehrt automatisch sein Geld über das Zinssparen oder den Kauf von Bundeswertpapieren. Diese Anlagevarianten sind sicher, haben aber den Nachteil enorm geringer Zinserträge. Gerade das Sparbuch ist mit seinem Durchschnittszins inzwischen unter der Marke von einem Prozent gelandet, ja geradezu Richtung 0. Dazu kommen dann noch ggf. Abgeltungssteuer und Inflation, die dem Zinsertrag den Rest geben, so dass der Anleger eher Verluste einfährt.

Der Privatkredit – ein altes Modell neu aufgelegt

Der Privatkredit ist keine neue Erfindung, denn Kreditvergaben von privaten Personen an andere Privatpersonen waren schon vor vielen Jahren geläufige Praxis. Doch inzwischen gibt es auch Internetplattformen wie Auxmoney oder Smava, bei denen Privatkredite abgewickelt werden können. Ein Verbraucher stellt hier das Projekt vor, für das er einen Kredit benötigt und wenn dies bei privaten Kapitalanlegern als interessant und kreditwürdig erachtet wird, dann kommt ein Kreditvertrag zwischen der Privatperson und privaten Kreditgebern – einem oder auch mehreren – zustande.

Die Vorteile für den Kreditnehmer

Die so genannten Peer-to-Peer-Kredite, die so auch häufig als Darlehensvariante bezeichnet werden – haben für den Kreditnehmer viele Vorteile. Hier wird er beispielsweise nicht anhand von Kreditscores bewertet, wie dies bei Banken üblich ist. Darüber hinaus gewähren viele Plattformen den Nutzern die Möglichkeit, den Sollzins selbst zu fixieren – und das kann sich auf die Kostenseite des Kreditnehmers sehr positiv auswirken.

Die Vorteile für den Anleger

Aus Anlegerperspektive ist es die Rendite, die ein wichtiges Pro-Argument für den so genannten P2P-Kredit gibt. Anders als bei Sparbüchern oder auch Tages- beziehungsweise Festgeldkonten sind die Ertragsaussichten bei solchen privaten Kreditvergaben weitaus größer. Die deutschen Plattformen als Vermittler zwischen Kreditnehmer und Geldgeber werben aktuell mit Renditen, die bei der privaten Kreditvergabe zwischen 10 und 15 Prozent jährlich liegen.
Das sind Spitzenwerte, von denen mancher Anleger nur träumen kann. Bedenken sollte man allerdings, dass diese Werte auch wirklich das obere Ende der Skala darstellen und dass die Durchschnittserträge unter diesen beworbenen Renditen liegen. Allerdings dürften angesichts aktueller Zinssätze bei Geldanlagen sogar 5 oder 6 Prozent Rendite, die aus Privatkrediten erwirtschaftet werden können, durchaus noch attraktiv gegenüber klassischen Geldanlagen sein.

Tipp für Kreditgeber:

Der P2P-Kredit ist nicht nur von der Rendite her eine interessante Alternative zu klassischen Sparformen. Ein weiterer positiver Aspekt ist darin gegeben, dass sie keine direkte Verbindung zu den klassischen Anlagen wie den Aktien oder Anleihen sowie Fonds haben. Damit ist der Privatkredit als Geldanlage völlig unabhängig von Kursschwankungen.

Wie sieht es mit der Sicherheit bei P2P Krediten aus?

Die Anlage in Privatkredite lohnt sich für den Kreditgeber nur dann, wenn eine höchstmögliche Sicherheit gegeben ist. Gerade in den letzten Jahren sind Klein- und auch Privatanleger sehr sensibel geworden, was die Sicherheit bei Geldanlagen angeht. Auch wenn man sich gute Gewinne erhofft, ist man heute eher bereit, aus Angst vor Verlusten eher mit geringeren Erträgen zu leben, als Risiken einzugeben. Auch beim P2P-Kredit stellt sich natürlich die Frage nach der Sicherheit dieser Geldanlage.

Schufa und Risikoverteilung als weitere Sicherheitselemente

Die in Deutschland aktiven Plattformen, die private Kreditnehmer und Kreditgeber zusammenbringen, nehmen die Sorgen ihrer Mitglieder sehr ernst und setzen dies auf verschiedenste Weise um.
Ein wesentliches Instrument, um den Kredit abzusichern, liegt auch hier in der Information über die Schufa oder auch anderer Wirtschaftsauskunftsdateien. Die Daten bieten eine sehr wichtige Grundlage der Bonitätsprüfung des Kreditnehmer, werden aber nicht als einziges Sicherheitsmerkmal genutzt.

Damit die Ausfallwahrscheinlichkeit für den Geldgeber möglichst gering gehalten wird, funktioniert der Online-Privatkredit in der Regel wie Crowdfunding . Das heißt, dass sich mehrere Kapitalgeber an der Finanzierung eines vom Kreditnehmer beworbenen Vorhabens, also dem Kreditprojekt, beteiligen. Damit lastet das Ausfallrisiko nicht nur auf den Schultern eines Geldgebers, sondern es wird gleichmäßig auf verschiedene Anleger verteilt.

Die Restschuldversicherung

Einige der Onlineportale für die Vermittlung von privaten Krediten nutzen ein weiteres Sicherheitsfeature, nämlich die Restschuldversicherung. Diese Versicherung springt immer dann ein, wenn der Kreditnehmer aus verschiedenen Gründen wie Tod, Krankheit oder aber Arbeitslosigkeit, seine Raten nicht mehr bedienen kann.

Investoren sollten allerdings bedenken, dass die Leistungen, die die Restschuldversicherung erbringt, keine absolut sichere Alternative ist, da die Auszahlung von Leistungen an Bedingungen wie beispielsweise eine zuvor über Monate reibungslose Tilgung gebunden sind. Darüber hinaus ist es für den Kreditnehmer auch nicht verbindlich, eine solche – für ihn Kosten verursachende – Versicherung abzuschließen.

Vorsicht vor gesetzlichen Vorgaben!

Auch wenn die Anmeldung auf einer privaten Kreditplattform erst einmal ganz einfach ist, lohnt es sich für den Anleger auf jeden Fall auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, die an eine private Kreditvergabe geknüpft sind, zu beachten.

Das in Deutschland gültige Kreditwesensgesetz – KWG – sowie das Zahlungsdienstaufsichtsgesetz sind relevante Faktoren im Rahmen des Privatkredits. Besonders vor dem KWG sind die P2P-Kredite dann, wenn sie als Geldanlage betrieben werden, möglicherweise problematisch.

Dem Kreditgeber kann ein gewerblicher Hintergrund unterstellt werden – was wiederum gemäß § 32 KWG einer Erlaubnis bedarf. Deshalb ist es empfehlenswert, ausschließlich mit Plattformen zusammenzuarbeiten, die wiederum mit Banken zusammen arbeiten und die zwar nicht als Kreditgeber, allerdings als beratende und betreuende Institution zwischen den Kreditnehmer und den Kreditgeber geschaltet sind. Hier sind Anleger auf der sicheren Seite.

Vorsicht auch vor der Nutzung einer solchen Kreditvergabe außerhalb Deutschlands, denn hier kann der Privatkredit durchaus auch komplett verboten sein.

Lohnt sich der Privatkredit als Geldanlage?

Hohe Zinssätze sowie ein vergleichsweise niedriges Risiko – das sind die Faktoren, nach denen Anleger suchen. Daher können sich Privatkredite als Geldanlage rentieren. Hier heißt es aber, genau zu recherchieren und Einblicke in die fremden Kreditportfolios zu bekommen. Während nämlich einige Varianten zweistellige Renditen bieten, können andere Fälle des Privatkredits so ungünstig verlaufen, dass sich die Renditen von klassischen Spareinlagen kaum unterschieden, weil noch Gebühren und Kosten anfallen zum Beispiel.

Bedenken sollte man zudem, dass das Ausfallrisiko bei P2P-Kredit deutlich größer als beim Zinssparen mit Tagesgeld oder Festgeld ist. In praktisch allen Portfolios finden sich auf Kreditprojekte, die sich bereits im Verzug oder sogar schon im Inkasso befinden. Das mag sich bei einem Crowdfunding-Projekt dann möglicherweise um geringe Beträge handeln, allerdings bringt jeder verlorene Euro die eigene Bilanz wieder in den negativeren Bereich.

Eine größtmögliche Diversifikation in mehrere Kreditprojekte bietet auch hier ein größeres Maß an Sicherheit. Klar ist zudem, dass die Geldanlage in Privatkredite auch zur persönlichen Risikoneigung passen muss.

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