Wertanlage Edelmetall: Lohnt sich das steuerlich?

Januar 10th, 2017 by geldanlage_de in Aktien, Allgemein, Börse, Depot

Edelmetalle

Goldbarren – seit Jahrhunderten die physische Manifestation von Wert und Beständigkeit. Allerdings: Wer Barren und Münzen kauft, muss immer auch an den Schutz dieser denken. Denn Edelmetalle lockten auch immer schon Diebe an.

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Edelmetallanlage ist deshalb so sicher, weil die Metalle immer einen physischen Wert haben werden
  • Neben Gold sind praktisch nur Silber, Platin und Palladium brauchbare Spekulationsobjekte
  • In physischer Form wird eine Rendite nur über Preissteigerungen und anschließenden Verkauf erzielt
  • Neben der Investition in Metalle selbst kann auch in damit befasste Firmen investiert werden
  • Beim Kauf von Edelmetallen fallen in Deutschland nur bei Silber, Platin und Palladium Mehrwertsteuern an



In schlechten Zeiten richten sich die Augen vieler Anleger wieder in Richtung Edelmetalle. Das war in der Vergangenheit immer wieder zu beobachten. Und mit Recht: Der Ruf als krisenfeste Investition für „Schlechtwetterperioden“ auf den Weltmärkten kommt nicht von ungefähr. Denn: Im Gegensatz zu anderen Investitionsformen hat der Kauf von physisch vorhandenen Edelmetallen einen gewaltigen Vorteil: Sie werden immer irgendeinen Wert haben.

Warum in Edelmetalle investieren?

Wer in Edelmetalle investiert, der will meist sicherstellen, dass ihm auch nach globalen Marktkatastrophen wie Börsencrashs oder dem Zerplatzen von Blasen immer noch mindestens eine Option verbleibt, auf die er sich stützen kann: Ein totaler Verlust ist ausgeschlossen. Freilich sind auch Edelmetalle Spekulationsobjekte und unterliegen somit dem ewigen Auf und Ab der Märkte, weshalb Experten immer wieder raten, Edelmetalle nur als Teil eines Anlage-Mix anzusehen und nicht als einziger Punkt im Portfolio: Im Vergleich zu anderen Materialien unterlagen die Preise für Gold, Silber und Co. in der Vergangenheit zwar tatsächlich weniger starken Schwankungen, dafür sind die Edelmetalle aber auch kein Spekulationsobjekt für schnelle Gewinne. Momentan beispielsweise sind sie verhältnismäßig billig zu bekommen – und werden es wohl auch noch länger bleiben. Und auch hier zeigten ähnliche Situationen in der Vergangenheit immer wieder: Es kann durchaus Jahre dauern, bis ein messbarer Gewinn erzielt wird. Aber Edelmetalle werden immer begehrt sein – was allerdings auch erhöhter Sicherheit bedarf.

Edelmetalle – die großen Vier

Neun „echte“ Edelmetalle existieren auf der Periodentafel der Elemente. Dazu noch sechs Halbedelmetalle und ebenso viele kurzlebige radioaktive Varianten. Von all diesen haben in Sachen Anlage aber nur vier einen brauchbaren Wert (wegen ihre Verbreitung und/oder dem Bedarf in Industrie und Schmuckherstellung):



Gold hat seit Menschengedenken große Bedeutung für die Schmuckherstellung – auch heute noch werden rund zwei Drittel der weltweiten Jahresproduktion für Ketten, Ringe und Co. verwendet. Industrielle Bedeutung hat das Edelmetall dort, wo es um extrem hohe Leitfähigkeit geht. Also beispielsweise elektrische und elektronische Kontakte aller Art. Wegen seiner einzigartigen Optik hat Gold von allen Edelmetallen das höchste Prestige, ist aber nicht das Seltenste.

Aktueller Goldpreis. Jahresproduktion 2015: 3000 Tonnen.

Silber war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts auf Augenhöhe mit Gold bei der Deckung von Währungen. Dann aber sank sein Wert. Vor allem, weil es öfter auf der Erde vorkommt als Gold. Allerdings: Experten rechnen damit, dass beim jetzigen Verbrauch die Reserven nur noch 21 Jahre lang vorhalten. Neben seinem großen Wert als Schmuckmetall ist die Bedeutung von Silber in der Industrie fast noch größer: Silber hat antibakterielle Eigenschaften, was es für mannigfaltige medizinische Anwendungen begehrt macht. Daneben ist das Edelmetall unabdingbarer Bestandteil von Katalysatoren und kommt als Zusatz beim Löten zum Einsatz.

Aktueller Silberpreis. Jahresproduktion 2015: 22300 Tonnen.

Platin ist extrem selten und kann zudem nur durch sehr aufwändige Prozesse veredelt werden. Diese Kombination macht es zum wertvollsten Edelmetall. Die Jahresproduktion beträgt nur wenige hundert Tonnen. Gleichsam ist Platin aber auch sehr vielfältig einsetzbar, sodass es als reines Schmuckmetall fast zu schade ist: Platin wird beim Bau von Widerständen ebenso eingesetzt wie für Katalysatoren in der chemischen und petrochemischen Industrie. Außerdem hat Platin die von allen Metallen beste Körperverträglichkeit, weshalb die Medizin es für Beschichtungen beispielsweise von Schrittmachern benötigt. Kein Wunder also, dass die physische Verfügbarkeit von Platinbarren und –münzen extrem gering ist.

Aktueller Platinpreis. Jahresproduktion 2010: 190,7 Tonnen

Palladium liegt zwar in der Häufigkeit seines Vorkommens über Gold und unter Silber, aber nicht bei der Förderung: Diese ist fast so gering wie die von Platin. Als reines Schmuckmetall ist es zwar weniger interessant, dafür wird Palladium aber zur Herstellung von Weißgold zwingend benötigt. Für die Industrie von extrem großem Interesse ist die Tatsache, dass Palladium chemisch eng mit Platin verwandt ist und sich mit diesem Edelmetall viele Eigenschaften teilt. Ebenfalls unverzichtbar und gleichzeitig ein Palladium-Schwachpunkt: Es wird für die Produktion von Diesel-Katalysatoren benötigt. Deshalb ist sein Wert auch eng mit der Herstellung von Dieselmotoren verknüpft. Abgesehen von sehr wenigen Münzen ist Palladium deshalb kaum in physischer Form zu bekommen.

Aktueller Palladiumpreis. Jahresproduktion 2015: 208 Tonnen

Grafik 1

Edelmetalle und die Steuern

In Sachen Steuern herrscht bei den wertvollen Metallen, gelinde gesagt, ziemliches Fiskus-Chaos, das nicht nur wenig erfahrene Anleger leicht verwirren kann. Die folgenden Punkte drehen sich nur um physisch vorhandene Edelmetalle, also in Form von Barren, Münzen usw.

Gold:

  • Edelmetalle in physischer Form erzielen keine Zinsen oder Dividenden und unterliegen generell deshalb auch nicht der Einkommenssteuer.
  • Bei einer Veräußerung von Gold, das kürzer als ein Jahr im Besitz war, muss ab einer Freigrenze von 600 Euro der Gewinn versteuert werden. Dies gilt auch für alle anderen Edelmetalle
  •  Ist das Gold länger als ein Jahr im Besitz, sind Verkaufsgewinne steuerfrei
  • Die Mehrwertsteuerbefreiung beim Kauf von Goldbarren gilt nur ab einer minimalen Reinheit von 995/1000.
  • Bei Goldmünzen muss die Reinheit mindestens 900/1000 betragen, ihre Prägung muss nach 1800 erfolgt sein, sie müssen irgendwann als gesetzliches Zahlungsmittel im Herkunftsland gegolten haben und ihr Verkaufspreis darf den reinen Goldwert um nicht mehr als 80 Prozent übersteigen, sonst fallen Mehrwertsteuern an.

Silber:

  • Auf Silberbarren und –münzen aus der EU müssen seit 2014 die vollen 19 Prozent Mehrwertsteuer bezahlt werden (zuvor galt ein vergünstigter Steuersatz von 7%).
  • Silbermünzen und –münzbarren, die von außerhalb der EU importiert werden, unterliegen weiterhin nur der siebenprozentigen Einfuhrumsatzsteuer.
  • Werden solche Münzen in der Bundesrepublik weiterverkauft, greift ebenfalls nur die Differenzbesteuerung zwischen Kaufs- und Verkaufspreis.

Platin:

  • Beim Kauf jeglicher Form von physischem Platin fallen 19 Prozent Mehrwertsteuer an.
  • Da Platin als Münze praktisch keine Bedeutung hat, funktioniert die Umgehung durch Differenzbesteuerung wie beim Silber in der Praxis nicht.

Palladium:

  • Auch bei Palladiumkäufen ist die Mehrwertsteuer zu bezahlen.
  • Palladium ist als Münze zwar ebenfalls nicht sonderlich verbreitet, aber stärker als Platin, weshalb hier die Differenzbesteuerung realistisch möglich aber ziemlich selten ist.

Im Klartext bedeutet das also: Edelmetalle, die als Wertanlage gekauft werden, sollten nicht nur mit Hinblick auf steigende Kurse erworben werden, sondern immer auch mit Rücksicht auf die Regeln der Besteuerung.

Edelmetalle und Sicherheit

Physisch vorhandene Edelmetalle haben zwar den Vorteil der Wertbeständigkeit. Ihr großer Nachteil liegt jedoch darin, dass sie gestohlen werden können. Das bedeutet, wer in diese Form investieren möchte, muss sich bereits im Vorfeld um die Sicherheit vor Kriminellen Gedanken machen:

  • Heimtresore haben den Vorteil, dass das Edelmetall ständig verfügbar ist und müssen zudem nur einmal bezahlt werden. Ihr Nachteil: Große Mengen von Barren und Münzen lassen sich kaum unterbringen, ohne große (und teure) Tresore kaufen zu müssen. Und diese lassen sich dann schwerlich noch sinnvoll verbergen, können einem Einbrecher also nur rein physisch widerstehen.
  • Die Einlagerung bei der Hausbank hat ebenfalls noch den Vorteil, dass die örtliche und zeitliche Verfügbarkeit nur minimal eingeschränkt wird. Zudem bestehen hier meist größere Lagermöglichkeiten. Allerdings fallen Lagergebühren an, die bei kleinen Mengen den Gewinn auffressen können. Außerdem müssen vom Besitzer Versicherungen abgeschlossen werden, falls das Schließfach bei einem Bankraub geleert wird. Zudem: Für den nicht unrealistischen Fall einer Bankenpleite kann es vorkommen, dass der Besitzer für einen gewissen Zeitraum keinen Zugriff auf sein Edelmetall hat, was die Funktion als Notreserve konterkariert.
  • Gänzlich ohne körperliche Beteiligung des Besitzers funktionieren Kontore: Hier hat der Eigner von Kauf bis Verkauf keinen Kontakt mit seinem Edelmetall, was den Beschaffungs- und Verkaufsprozess stark vereinfacht. Doch auch hier fallen Gebühren an – mit den gleichen Nachteilen für geringe Mengen sowie bei Notfällen.

Die letzte Option besteht darin, das Edelmetall in einem Versteck zuhause zu lagern. Allerdings sollte ein solches Versteck wirklich so gewählt werden, dass es auch dem gewieftesten Verbrecher nicht auffällt: Unter der Matratze ist kein guter Ort, Einmauern hinter einer hohlen Wand jedoch schon. Damit ist es vielleicht die beste Möglichkeit, seine Edelmetallinvestition wirklich als das unterzubringen, als was sie gedacht war: Eine wirklich krisensichere Rückversicherung für absolute Notfälle.

Fazit

Ja, die Investition in physische Edelmetalle lohnt sich – sowohl steuerlich als auch mit Hinblick auf dauerhafte Sicherheit: Wer Gold, Silber und Co. mit dem Hintergedanken erwirbt, sie langfristig als „Sparstrumpf“ zu verwenden, hat hier eine gute Option, steuerfreie Gewinne zu erzielen. Zudem: Firmen können bankrottgehen, Wirtschaftszweige verschwinden, Edelmetalle werden jedoch immer begehrt bleiben.



Bildquelle:

fotolia.com© denisismagilov

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