Call-Optionsscheine

Ein Call-Optionsschein berechtigt zum Kauf eines Basiswerts (z.B. einer Aktie) zu einem bei Ausgabe des Optionsscheins festgelegten Preis innerhalb einer gewissen Laufzeit.

Der Käufer eines Call-Optionsscheins (im Folgenden kurz “Call” genannt) setzt auf steigende Kurse des Basiswertes. Für den Fall, dass die Kurse des Basiswerts tatsächlich steigen, kann der Anlage mit einem Call höhere Gewinne erzielen, als bei der direkten Anlage in den Basiswert. Grund dafür ist vor allem die Hebelwirkung (Berechnung siehe hier):

Rechenbeispiel für Call-Optionsscheine:

ABC Aktie Call-Optionsschein auf die ABC Aktie
(Basispreis 50,– Euro, Laufzeit 1 Jahr (01.02.13 – 31.01-14), Alternativzins: 3,5 %,
Volatilität der ABC-Aktie 22 %)
Aktienkurs am 01. Februar 2013:        75,00 Euro
Aktienkurs am 01. August 2013:       100,00 Euro
Kurs am 01. Februar 2013:        26,84 Euro
Kurs am 01. August 2013:          50,87 Euro



Dieser Call berechtigt in der Zeit vom 1. Februar 2013 bis 31. Januar 2014 zum Bezug einer ABC-Aktie zum Preis von 50,– Euro (Bezugsverhältnis 1:1). Ein Anlege würde also mit einem solchen Call die ABC Aktie 25,– Euro preiswerter bekommen, als bei einem direkten Kauf an der Börse. Somit muss der Call mindestens den Wert der Ersparnis, hier also 25,– Euro, haben. Dieser Substanzwert wird in der Fachsprache “Innerer Wert” genannt und bei Calls nach folgender Formel berechnet:

Innerer Wert = Aktueller Aktienkurs – Basispreis des Optionsscheines

hier: 25,– Euro = 75,– Euro – 50,– Euro

Da dieser Optionsschein noch eine Laufzeit von 1 Jahr hat, wird an der Börse noch ein gewisser Aufschlag über den inneren Wert gezahlt. In diesem Fall beträgt der als Zeitwert bezeichnete Aufschlag ca, 1.84 Euro (berechnet nach dem Black-Scholes Optionsmodell).

Wie wird sich der Preis dieses Optionsscheins ändern, sobald sich der Kurs der ABC Aktie nach oben bewegt?

Bei einem Anstieg des Aktienkurses von 75,– Euro auf 100,– Euro am 1. August 2013 wird der Preis des Optionsscheines auch um 25,– Euro ansteigen, da ja der Optionsschein weiterhin den Kauf einer ABC Aktie zum Preis von 50,– Euro berechtigt. Somit hat der Optionschein in diesem Fall einen Inneren Wert von 50,– Euro.

Der Vorteil des Anlegers:
Obwohl sich der Kurs der ABC Aktie um 33 Prozent erhöht hat (von 75,– auf 100,– Euro), ist der Preis des Optionsscheins fast um 100 Prozent gestiegen (von 26,64 Euro auf 50,87 Euro).Mit einen Investment in den Optionsschein hat der Anleger also deutlich mehr Gewinn erzielt als über die ABC Aktie direkt.

 

Wie sieht die Lage bei fallenden Kursen des Basiswertes aus?
Bei Call-Optionsscheinen nimmt der Anleger nicht nur überproportional an Kursgewinnen des Basiswertes teil, sondern auch an Kursrückgängen:

Für den Fall, dass der Kurs der ABC Aktie am 1. August 2005 nicht um 33 Prozent gestiegen wäre, sondern vielmehr um 33 Prozent gefallen ist (also von 75,– Euro auf 50,– Euro) würde sich nach dem Black-Scholes Preismodell ein Kurs von nur noch 3,55 Euro für den Call-Optionsschein ergeben.

Begründung: Bei einem Aktienkurs von 50,– Euro hat dieser Call-Optionsschein (Basispreis 50,– Euro) keinen Inneren Wert mehr (50,– Euro – 50,– Euro = 0). Somit besitzt der Schein nur noch einen Zeitwert in Höhe von 3,55 Euro.

 

In der Fachsprache:

  • Hat ein Optionscheinen keinen Inneren Wert mehr, ist der Schein “out of the money” (dt. aus dem Geld)
  • Befindet sich der Kurs des Basiswerts genau auf der Höhe des Basispreises des Optionscheines, ist der Schein “at the money” (dt. am Geld)
  • Liegt der Ausübungspreis (bei einem Call) unterhalb des derzeitigen Preises des Underlyings ist der Optionsschein “in the money” (dt. im Geld)

Je weiter die Option im Geld ist, desto höher wirken sich kursrückgänge des Unterlyings auf den Kurs der Option aus. Dies liegt daran, dass eine Ausübung der Option immer wahrscheinlicher wird, und somit der Zeitwert einen immer kleineren Teil der gesamten Optionspreises ausmacht.  Optionen werden also immer volatiler, je weiter sie im Geld sind.

Grafisch lässt sich das sog. Auszahlungsprofil (englisch Pay-off Diagramm) für eine Long-Call Position wie folgt darstellen.

Der Käufer der Call-Option ist bis zum erreichen der Ausübungspreises im Minus, und zwar in Höhe der gezahlten Optionsprämie. Überschreitet das Unterlying (also z.B. die Daimler Aktie) den Ausübungspreis verringert sich sein Verlust bzw. der Investor erreicht die Gewinnzone. Entwickelt sich der Preis jedoch nicht so wie es sich der Investor gedacht hat, in diesem Fall also steigend, ist sein Verlust auf die Höhe der gezahlten Optionsprämie begrenzt, da er den Schein dann Wertlos verfallen lassen kann.

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