Optionsscheine

Optionsscheine als Derivate

Immer mehr Anleger in Deutschland sind spekulativ eingestellt, was möglicherweise auch damit zu tun hat, dass aufgrund der Niedrigzinsphase keine guten Renditen mehr mit verzinslichen und sicheren Anlageformen zu erzielen sind. Mittlerweile gibt es am Finanzmarkt zahlreiche Produkte, die in den spekulativen Bereich fallen. Dazu gehören neben Futures und Optionen insbesondere Optionsscheine, die schon viele Jahre am Markt vertreten sind. Im folgenden Ratgeber möchten wir Sie zu diesem Thema informieren und dabei auf verschiedene Aspekte eingehen, wie zum Beispiel die zwei Grundarten der Optionsscheine, deren generelle Funktionsweise und auf die unterschiedlichen Arten von Optionsscheinen.

Call- und Put-Optionsscheine als Grundarten

Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, wie Optionsscheine funktionieren und welche Varianten es gibt. Mit einem Optionsschein haben Sie vom Grundsatz her die Möglichkeit, entweder von Kurssteigerungen oder von einem Kursrückgang des jeweiligen Basiswertes zu profitieren. In der Praxis sind es die folgenden Basiswerte, auf die Optionsscheine meistens ausgerichtet sind:

Aktien
Indizes
• Rohstoffe
Devisen



Abhängig davon, ob Sie davon ausgehen, dass der Kurs bzw. Preis des jeweiligen Basiswertes, also beispielsweise einer Aktie, steigt oder fällt, entscheiden Sie sich für einen Call- oder Put-Optionsschein. Beim Call-Optionsschein ist es so, dass Sie damit gleichzeitig das Recht erwerben, den Basiswert zu einem festgelegten Preis bzw. Kurs zu erwerben. Dies ist während der gesamten Laufzeit des Optionsscheins möglich. Jeder Optionsschein hat einen bestimmten Wert, zu dem er gehandelt wird. Dieser Preis hängt insbesondere davon ab, wie sich der Kurs des Basiswertes entwickelt, wie lange die Restlaufzeit des Optionsscheins noch ist und wie weit der aktuelle Kurs des Basiswertes vom im Optionsschein festgelegten Kauf- bzw. Verkaufspreis entfernt ist.

Im Gegensatz zum Call-Optionsschein, mit dem Sie auf steigende Kurse beim Basiswert spekulieren, ist die Put-Option für spekulativ eingestellte Anleger geeignet, die von fallenden Kursen ausgehen. Der Optionsschein funktioniert so, dass Sie mit dem Optionsschein das Recht erwerben, den Basiswert, beispielsweise Telekom-Aktien, zu einem festgelegten Kurs zu verkaufen. Dies macht natürlich nur dann Sinn, wenn der aktuelle Kurs der Telekom Aktien unterhalb dieses Verkaufspreises liegt.

Grundsätzlich können Sie sich also merken, dass es zwei Grundarten von Optionsscheinen gibt, nämlich zum einen Call-Optionsscheine und zum anderen Put-Optionsscheine. Den Call-Optionsschein verwenden Sie immer dann, wenn Sie von steigenden Kursen beim Basiswert ausgehen, während sie mit einem Put-Optionsschein die Möglichkeit haben, von fallenden Kursen zu profitieren.

Wie funktionieren Optionsscheine im Allgemeinen?

Vielleicht werden Sie sich an dieser Stelle fragen, warum Sie sich eigentlich für den „Umweg“ Optionsscheine entscheiden sollen, wenn Sie doch die jeweiligen Basiswerte, beispielsweise Telekom-Aktien, auch direkt an der Börse handeln können. Dazu ist es wichtig zu verstehen, wie Optionsscheine funktionieren und worin deren Vorteile liegen. Bei einem Optionsschein gibt es zunächst einmal immer einen Basiswert, der auch als Underlying bezeichnet wird. Auf diesen Basiswert bezieht sich der jeweilige Optionsschein, der selbst keinen eigenen Wert hätte.

Das Besondere an Optionsscheinen ist deren sogenannte Hebelwirkung, denn diese ermöglicht es Ihnen, mit einem vergleichsweise geringen Kapitaleinsatz eine überproportionale Rendite zu erzielen. Dies ist gleichzeitig auch ein Vorteil und die Antwort auf die Frage, warum Sie den Umweg über Optionsscheine gehen können, auch wenn Sie die jeweiligen Basiswerte eigentlich direkt handeln könnten. Der Hebel ist ein wichtiges Element sämtlicher Optionsscheine, denn er führt letztendlich zum spekulativen Charakter, den Optionen besitzen. Wie hoch der Hebel ist, ergibt sich vor allem daraus, wie weit der im Optionsscheine genannte Preis vom aktuellen Kurs des Basiswertes entfernt ist und welche Restlaufzeit der Optionsschein noch hat. Üblich sind Hebel zwischen 4:1 und 10:1, wobei der Hebel in manchen Fällen auch bis zu 20:1 reichen kann. Was bedeutet dies nun für die Praxis?

Rechenbeispiel mit dem theoretischen Hebel

Nehmen wir einmal an, ein Optionsschein mit dem Basiswert Telekom Aktien hätte den theoretischen Hebel 5:1. Dies würde bedeuten, dass der Wert des Optionsscheins um zehn Prozent steigen würde, wenn es sich um einen Call-Optionsschein handelt und der Kurs der Telekom-Aktien um zwei Prozent angestiegen ist. Man spricht deshalb von einem theoretischen Hebel, weil der tatsächliche Hebel in der Praxis durchaus etwas abweichen kann. Im Beispielsfall hätten Sie also bei einem Kursanstieg der Telekom-Aktien um lediglich zwei Prozent trotzdem einen Gewinn von zehn Prozent erzielt, und das in aller Regel mit einem geringeren Kapitaleinsatz, als wenn Sie die Telekom-Aktien direkt an der Börse gekauft hätten.



Innerer Wert, Laufzeit und weitere Elemente von Optionsscheinen

Mit Optionsscheinen spekulieren ist zwar einerseits eine gute Möglichkeit, mit einem geringen Kapitaleinsatz aufgrund des Hebels gute Gewinne zu erzielen. Auf der anderen Seite scheuen sich allerdings nicht wenige spekulativ eingestellte Anleger vor diesem Finanzprodukt, da es einige Fachbegriffe und mathematische Kennzahlen gibt, die man eigentlich verstehen sollte. Nicht zuletzt aus diesem Grund erleben seit einigen Jahren die sogenannten binären Optionen einen echten Boom, da sie vereinfacht dargestellt eine einfachere Variante der klassischen Optionen und Optionsscheine darstellen. Ein wichtiges Element sämtlicher Optionsscheine ist die Laufzeit, die normalerweise immer begrenzt ist. Wenn Optionsscheine emittiert werden, haben sie in aller Regel eine Laufzeit zwischen einem und zwei Jahren. Aus diesem Grund sollten Sie darauf achten, dass Sie die Optionsscheine einige Zeit vor Laufzeitende verkaufen, denn mit Fälligkeit werden die Papiere wertlos.

Bei der Analyse und dem Vergleich von Optionsschein kommen insbesondere bestimmte Kennzahlen zum Tragen, wie zum Beispiel Gamma oder Delta. Mit diesen Kennzahlen versuchen Analysten, die Wertigkeit eines Optionsscheins zu bewerten. Vor allem sollen die Kennzahlen durch die ermittelten Werte zur möglichst genauen Vergleichbarkeit der zahlreichen Optionsscheine führen, die am Markt handelbar sind. Genau diese Kennzahlen sind es allerdings auch, die nicht wenige Anleger von der Spekulation mit Optionsscheinen abschrecken, da die finanzmathematischen Berechnungen nicht einfach zu verstehen sind.

Ein häufig im Zusammenhang mit Optionsscheinen fallender Begriff ist der innere Wert. Dieser spiegelt wider, welchen eigentlichen Wert der Optionsschein hat. Der innere Wert ergibt sich aus zwei Komponenten, nämlich aus dem aktuellen Kurs des Basiswertes und dem Preis, zu dem Sie den Optionsschein ausüben können. Wie sich der innere Wert bestimmt, möchten wir gerne am folgenden Rechenbeispiel erläutern:

• Aktueller Kurs des Basiswertes: 50,50 Euro
• Call-Optionsschein mit festgelegtem Ausübungspreis: 40,50 Euro
• Innerer Wert: 10 Euro

Dieses Beispiel beinhaltet, dass der aktuelle Kurs des Basiswertes bei 50,50 Euro liegt. Im Optionsschein wurde jedoch verbrieft, dass Sie als Inhaber die Möglichkeit haben, diesen Basiswerte bereits zu einem Kurs von 40,50 Euro zu erwerben. Demzufolge hat der Optionsschein einen inneren rechnerischen Wert von zehn Euro, denn das ist die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs und dem Ausübungspreis. In der Praxis werden Optionsscheine allerdings häufig nicht zu ihrem inneren Wert gehandelt, da an dieser Stelle Spekulationen auf weitere Preissteigerungen oder ein Kursrückgang mit einbezogen werden. Die Restlaufzeit des Optionsscheins spielt ebenfalls eine Rolle sowie Angebot und Nachfrage am Markt.

Welche Chancen und Risiken beinhalten Optionsscheine?

Bei Optionsscheinen handelt es sich um Finanzprodukte, die in den Bereich der sogenannten Derivate fallen. Dies bedeutet, es handelt sich um abgeleitete Produkte, die spekulativen Charakter haben. Auf der einen Seite bieten Optionsscheine die Chance auf überproportional hohe Gewinne, was durch den bereits beschriebenen Hebel verursacht wird. Es kann also durchaus passieren, dass Sie Ihr eingesetztes Kapital innerhalb weniger Tage oder Wochen vervielfachen. Auf der anderen Seite beinhalten Optionsscheine allerdings auch ein erhebliches Risiko. Zum einen kann es zu einem deutlichen Preisverfall kommen, wenn sich der Kurs des Basiswertes in die gegenteilige Richtung als gewünscht entwickelt.

Besitzen Sie also beispielsweise einen Call-Optionsschein und sinkt der Kurs des Basiswertes seit dem Kauf des Optionsscheins nahezu kontinuierlich, kann dies sogar dazu führen, dass am Markt kein Interesse mehr daran besteht, den Optionsschein zu kaufen. Sie hätten in diesem Fall zwar keinen gänzlich wertlosen Optionsschein in den Händen, aber am Markt würde kein Kurs mehr zustande kommen, da es keine potentiellen Käufer mehr gibt. Im schlimmsten Fall ändert sich diese Situation bis zur Fälligkeit des Optionsscheins nicht mehr, sodass Sie in diesem Fall einen Totalverlust erleiden. Dies gilt natürlich ebenfalls, falls Sie den Optionsschein vor Fälligkeit – aus welchen Gründen auch immer – nicht verkaufen. Es muss an dieser Stelle also ganz klar festgehalten werden, dass Sie mit der Spekulation in Optionsscheine erhebliche Verluste erleiden können, die bis zum Totalverlust reichen können.

Warum sollte man Optionsscheine kaufen?

Natürlich kann ein Anleger den entsprechenden Basiswert (z.B. eine Daimler Aktie) auch direkt an der Börse kaufen, also ohne den „Umweg“ eines Optionsscheins. In diesem Fall nimmt der Anleger im Verhältnis 1:1 an der negativen oder positiven Wertentwicklung der Aktie teil. Mit Hilfe der Hebelwirkung von Optionsscheinen kann man jedoch bei gleichen Kapitaleinsatz u.a. eine höhere Rendite erzielen, wie sich auf diesem Rechnenbeispiel für Call-Optionsscheine ergibt.



Welche Arten von Optionsscheinen gibt es?

  1. Im Bezug auf den zugrundeliegenden Basiswert („Underlying“):
    – Aktien-Optionsscheine
    – Index-Optionsscheine
    – Rohstoff-Optionsscheine
    – Währungs-Optionsscheine
  2. Im Bezug auf die Art ihrer Funktionsweise: 
    – „Normale“ Optionsscheine (engl. „Plain Vanilla“ Warrants)
    – „Exotische“ Optionsscheine (engl. „Exotic“ Warrants)
  3. Im Bezug auf die Erwartungshaltung des Investors:
    – Kauf-Optionsscheine („Calls“)
    – Verkauf-Optionsscheine („Puts“)
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