Basketzertifikate

Ein Basketzertifikat („Basket“ bedeutet „Korb“) umfasst einen nach gewissen Kriterien zusammengestellte Anzahl von Aktien. Beispiel: Europäische Energieversorger.

Im Gegensatz zu einen branchenspezifischen Investmentfonds bleibt die Zusammensetzung des Basketzertifikates über die gesamte Laufzeit unverändert. Es gibt also keinen „Manager“ des Zertifikates, der sich regelmäßig um die Zusammensetzung / Abstimmung der Werte kümmert. Für den Anleger hat dies den Vorteil, dass er auch keine hohe, laufende Verwaltungsgebühr bezahlen muss, wie diese bei Investmentfonds üblich ist.

Beispiel für ein Basket-Zertifikat
Die Funktionsweise eines Basket Zertifikats wird am Beispiel eines „Champions Zertifikat“ der Barclays Bank erläutert.
(Bitte beachten Sie, dass diese Beispiel keine Empfehlung für den Kauf des Zertifikate darstellt)

Dieses Zertifikat hat eine Laufzeit von 6 Jahren.
Der Verkaufspreis beträgt 1.000,– Euro zzgl. 3 % Ausgabeaufschlag = 1.003,– Euro gesamt

Im Verkaufsprospekt wird das Champions Zertifikat als Schuldverschreibung bezeichnet, was auch zutreffend ist. Im Gegensatz zu einer klassischen Anleihe gibt es allerdings hier keine feste, gleichmäßige Verzinsung. Dies weist jedoch darauf hin, das der Inhaber des Zertifikates wie ein Gläubiger der Bank gegenüber steht. Geht die Bank in die Insolvenz wird der Anleger einen sehr großen, meist einen totalen, Verlust erleiden.

Im schlechtesten Fall erhält der Anleger nach Ablauf von 6 Jahren sein gesamtes Anlagekapital (ohne Ausgabeaufschlag zurück). Insofern zählt das Champions Zertifikat auch zu den sog. Garantiezertifikaten. Wenngleich der Anleger zwar sein Kapital nicht verliert, hat es bei dem völligen Ausbleiben einer Verzinsung bzw. eine Prämie für die Überlassung des Kapitals über 6 Jahre einen „Verlust“ in Höhe der entgangenen Zinsen gemacht. Denn schließlich hätte der Anleger sein Kapital auch anderweitig (z.B. in einer Bundesanleihe) verzinslich anlegen können.

Die Gewinnchance der Anlegers liegt bei dem Champions Zertifikat in der positiven Entwicklung verschiedener internationaler Aktienmärkte:

Hier hat der Emittent (Barclays Bank, London) insgesamt 10 Aktienindices ausgewählt und diese in 
3 Baskets
 (Körbe) zusammengefasst.:

Nr. Indexbezeichnung Symbol auf Bloomberg Land
Index 1: Korean Stock Price Index 200 (KOSPI) (Bloomberg: KOSPI2) Korea
Index 2: DAX® (Bloomberg: DAX) Deutschland
Index 3: Nikkei 225 Stock Average Index (Bloomberg: NKY) Japan
Index 4: Ibex 35® Index (Bloomberg: IBEX) Spanien
Index 5: CAC40® Index (Bloomberg: CAC), Frankreich
Index 6: S&P 500 Index (Bloomberg: SPX) USA
Index 7: AEX-Index® (Bloomberg: AEX) Niederlande
Index 8: S&P MIB® Index (Bloomberg: SPMIB) Italien
Index 9 : FTSE 100 Index (Bloomberg: UKX) England
Index 10: SMI® Index (Bloomberg: SMI) Schweiz

Gemäß § 4c der Anleihebedingungen erhält der Anleger am Schlusstag einen Betrag ausgezahlt, der sich nach folgender Formel berechnet:

Rückzahlung = Euro 1.000,00 + Euro 1.000,00 × MAX (0, Profile A, Profile B)

Diese Formel bedeutet: Es werden auf jeden Fall 1.000 Euro ausgezahlt (= der Anlagebetrag)
sowie eine Prämie, die sich nach der Formel 1000,– Euro x dem größen Wert folgender 3 Werte:
0, dem Wert des Profil A und dem Wert des Profil B berechnet.

Der Wert der Profile A und B ergibt sich aus diesen Formeln bzw. Baskets (Körben):

Profil A = (50% Korb 1 + 30% Korb 2 + 20% Korb 3)

Profil B = (20% Korb 1 + 30% Korb 2 + 50% Korb 3)

Dabei werden die Körbe wie folgt berechnet:

Formel eines Basketzertifikates

Legende:
Index1final bis Index10 final sind die arithmetische Mittelwerte der offiziellen Schlußstände von Index 1 bis 10 jeweils bestimmten Stichtagen eines jeden Jahres.

„Index1initial bis Index10 initial sind die offiziellen Schlußstände von Index 1 bis 10 am ersten Bewertungstag des Zertifikats.

Theoretisches Rechenbeispiel (angenommene Indexstände):

Index 1 bis 10
Initial-Wert
Ø Final-Wert
Indexn final / Index n inital
Korea KOSPI)
170
214
1,26
DAX®
5.350
6.400
1,20
Nikkei 225
15.700
17.200
1,10
Ibex 35®
10.740
12.850
1,20
CAC40®
4.770
5.910
1,24
S&P 500
1.260
1.490
1,18
AEX-Index®
430
560
1,30
S&P MIB®
35.770
44.500
1,24
FTSE 100
5.700
6.200
1,08
SMI®
7.700
8.950
1,15

In diesem Fall wäre das Ergebnis für Korb 1 bis Korb 3:

Korb 1 = 1/3 x (1,26 + 1,20 + 1,10) – 1 = 0,1748
Korb 2 = 1/4 x (1,20 + 1,24 + 1,18 + 1,30) – 1 = 0,23
Korb 3 = 1/3 x (1,24 + 1,08 + 1,15) – 1 = 0,1451

und daraus entsprechend für Profil A und Profil B

Profil A = (0,5 x 0,1748 + 0,3 x 0,23 + 0,2 x 0,1451) = 0,18542

Profil B = (0,2 x 0,1748 + 0,3 x 0,23 + 0,5 x 0,1451) = 0,17651

Somit würde sich folgende Rückzahlung am 02.03.2012 ergeben:

Rückzahlung = Euro 1.000,00 + Euro 1.000,00 × MAX (0, 0,18542 , 0,17651)

Rückzahlung = Euro 1.000,00 + Euro 1.000,00 × 0,18542

Rückzahlung = Euro 1.000,00 + Euro 185,42

Rückzahlung = Euro 1.185,42

Dies würde einer jährliche Rendite von ca. 2,88 Prozent entsprechen

Chancen und Risiko von Basketzertifikaten
Ein Basketzertifikat stellt grundsätzlich eine gute Alternative zu dem direkten Investment in einzelne Aktien dar, da über die Zusammenstellung des Baskets eine gewissen Risikostreuung erfolgt. Auf der anderen Seite ist natürlich das Kurspotential eines Basketzertifikates etwas niedriger als es beispielsweise bei der Anlage in einer einzige Aktie sein könnte.

Der Kauf eines Basketzertifikates ist allerdings meist mit einem höheren Kursrisiko behaftet, als der Kauf eines Indexzertifikates, da letzteres in der Regel eine noch größere Risikostreuung bei den Basiswerten (Aktien) aufweist.

Die Berechnung der Rendite ist hier deutlich unübersichtlicher als sie es z.B. bei ETF ist. Unerfahrene Anleger sollten sich daher sehr gut! beraten lassen oder im Zweifel lieber in andere Produkte investieren. Ein entgangener Gewinn hat noch niemanden ins Armenhaus getrieben!

Hinweis:
Die Indexbezeichnungen sind meist eingetragene Warenzeichen und werden anerkannt

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