Hebelzertifikate

Ein Hebelzertifikat dient dazu, von Kursschwankungen des Basiswertes (z.B. eines Aktienindex) bereits mit einem kleinen Kapitaleinsatz besonders stark zu profitieren. Wie aus der Physik bekannt, kann man bei einer entsprechend großen Hebelwirkung auch mit wenig Kraft ein großes Objekt bewegen (Stichwort: Wagenheber).

Ein Anleger kann zwei Erwartungshaltungen haben:

  1. Er spekuliert auf zukünftig steigende Kurse des Basiswertes.
    Daher wird er ein sog. Bull Zertifikat oder Long Zertifikat erwerben
  2. Er spekuliert auf zukünftig fallende Kurse des Basiswertes.
    Daher wird er ein sog. Bear Zertifikat oder Short Zertifikat erwerben

Die Hebelwirkung eines Zertifikates ist umso größer, je näher der vom Emittenten festgelegte Knock-out Punkt am Preis des Underlyings bei Ausgabe liegt und je geringer der Kapitaleinsatz daher ist.

Falls der Basiswert („Underlying“ genannt“) jedoch zu irgendeinem Zeitpunkt (auch wenn es nur innerhalb eines einzigen Tages ist) den Knock out Punkt berührt oder sogar unterschreitet, bekommt der Anleger überhaupt keine Rückzahlung mehr und hat somit sein gesamtes Kapital verloren.

Falls diese nicht eintritt, erhält der Anleger bei der Rückzahlung des Zertifikates einen Betrag, der sich nach folgender Formel errechnet:

Rückzahlung = (Schlusskurs des Basiswerte – Ausübungspreis) x Bezugsverhältnis



Rechenbeispiel für ein Hebelzertifikat

Der Deutsche Aktienindex DAX befindet sich bei 7.500 Zählern. Ein Hebelzertifikat mit einem Basispreis von 7.500 Zählern würde 1.000 Euro kosten, da man mit diesem Zertifikat den DAX zum Preis von 7.500 Euro „kaufen“ könnte. Um das Zertikat erschwinglich zu machen, wird meist ein Bezugsverhältnis von 1:100 gewählt. Somit würde das Zertifikat 10 Euro kosten.

Da zunächst einmal der Emittent verdienen will, berechnet er bei einen Bull Zetifikat einen Aufschlag (Aufgeld genannt), bei einen Bear Zertifikat ein Abgeld. Im Beispiel beträgt dies 10 Euro.

Der Preis von Bull Zertifikaten berechnet sich mit dieser Formel

( (Tageskurs der Basiswertes + Aufgeld) – Basispreis ) x Bezugsverhältnis = Zertifikatpreis

( (7500 + 10 ) – 6500 ) x 0,01 = 10,10 €

Sofern der DAX auf 8.000 Zähler klettert, steigt das Zertifikat auf 15 Euro:

( (8000 + 10 ) – 6500 ) x 0,01 = 15,10 €

Sofern jedoch der DAX so tief fallen, dass er die Knock out Grenze von 7.500 Zählern berührt oder unterschreitet (z.B. bei 7.400), wird das Zertifikat sofort wertlos und der Anleger hat seinen gesamten Einsatz verloren.

Durch die Hebelwirkung profitiert der Anleger stärker von dem DAX Anstieg (von 7.500 auf 8.000 Zähler = 6,67 %), da er über das Zertifikat einen Anstieg von 49 % Prozent erfährt. Der Hebel wird mit dieser Formel berechnet:

( Tageskurs der Basiswertes / Preis des Zertifikats ) x Bezugsverhältnis = Hebel

( 7500 / 10,10 ) x 0,01 = 7,43

Somit läßt sich die prozentualie Veränderung des Zertifikat-Preises wie folgt berechnen:

Prozentsatz Basispreis x Hebel = Prozentsatz des Hebelzertifikates

6,67 % x 7,43 = 49,56 % Steigerung

Für den Anleger ist das Risiko be Hebelzertifikaten durchaus beachtlich, da bei der Unterschreitung oder auch nur dem einmaligen Erreichen des Basispreises das Zertifikates sofort wertlos wird!



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